Herr F. aus L. schreibt ins Internet

17.6.05

Umzug

Das Nordlicht-Blog ist umgezogen! Fast identisch im Design, aber flexibler, schöner und nicht zuletzt mit eigener Domain bin ich nunmehr - auch dank tatkräftiger Unterstützung durch die Geneva Information - von nun an unter

www.wasserstandsmeldung.de

zu erreichen.
Die bisherigen Blogspot-Einträge samt Kommentaren sind auch auf der neuen Domain verfügbar, so daß durch den Umzug nichts verloren geht.

Danke für das Interesse bis hierher, wir sehen uns unter neuer Adresse!

16.6.05

1 zu 1

Nachdem ich kürzlich Teile der deutschen Richterschaft der Inkompetenz in Sachen Internet verdächtigt hatte, gibt es heute mal einen Lichtblick zu vemelden: Der Mediendesigner Alvar Freude ist, wenn auch erst in zweiter Instanz, vom Vorwurf der Volksverhetzung freigesprochen worden, der gegen ihn erhoben worden war, nachdem er eine Dokumentation über Webseiten ins Netz gestellt hatte, die in China, Iran und Nordrhein-Westfalen zensiert sind.

Da die Sache vermutlich zum BGH gehen wird, ist zu hoffen, daß der zuständige Senat sich vorab - soweit ihm nicht selbst der einschlägige Lebenssachverhalt (hier: Aufbau und Funktionsweise des WWW) vertraut ist - fachkundiger Beratung versichert und endlich eine schon etwas betagte Feststellung zumindest teilweise korrigiert:

Die Amerikaner haben das Internet erfunden, die Deutschen regulieren es.
Jeder macht das, was er am besten kann.
(Paul C. Paules)

Ich bin gespannt.

15.6.05

Überraschung!

Daß einige Akteure auf der politischen Bühne gute Chancen hätten, sich als Schauspieler ein lukratives Nebeneinkommen zu sichern, ist eine Binsenweisheit. Daß sie immer noch aktuell ist, zeigen die Reaktionen der heute vor dem Bundesverfassungsgericht unterlegenen Koalitionsvertreter, die sich äußerst erstaunt vom Ergebnis der Gerichtsberatungen gezeigt hatten.
Zur Erinnerung: Ein Untersuchungsausschuß wurde gegen die Stimmen der Opposition beendet, da war noch keine Vertrauensfrage gestellt, geschweige denn beantwortet, geschweige denn hätte der Bundespräsident eine Entscheidung zur Auflösung des Parlamentes getroffen, geschweige denn hätte er es aufgelöst.
Alles, was wir haben, ist die Aussage des Bundeskanzlers, die Vertrauensfrage stellen zu wollen. Und auf diese Aussage hin wird, weil ja das Ende der Legislaturperiode abzusehen sei und man schließlich rechtzeitig einen Bericht hinbekommen müsse, die Zeugenvernehmung gegen den Protest der oppositionellen Minderheit beendet.

Da in diesen Tagen soviel von der Achtung der Verfassungsorgane die Rede ist, drängt sich die Frage auf, ob es wirklich so nötig tat, nach dieser eigentlich selbstverständlichen Entscheidung - jede andere wäre darauf hinausgelaufen, daß die rot-grüne Ausschußmehrheit eine Entscheidung des Bundespräsindenten hätte präjudizieren können - öffentlich ein derart überraschtes Gesicht zu machen.

Ich will nicht hoffen, daß die Überraschung ausnahmsweise nicht gespielt, sondern tatsächlich echt war...

14.6.05

Zensur

Vor einiger Zeit hielt es die Düsseldorfer Bezirksregierung für opportun, einige grob geschmacklose oder auch nach dem deutschen Strafrecht eindeutig illegale Webseiten sperren zu lassen. Wohlgemerkt werden alle diese Seiten im Ausland betrieben; nur in Deutschland sollten sie, so die Sperrverfügung, nicht abrufbar sein.
Realisiert werden sollte dies durch eine Manipulation der Namensauflösung für die betroffenen Webseiten - ein Verfahren, daß übrigens mit einfachsten Mitteln ohne Probleme zu umgehen ist.
Nun wurden die Sperrungsverfügungen gerichtlich bestätigt, und das ist in der Tat aus zwei Gründen erschreckend:
Erstens: Deutsche Richter wissen offenbar immer noch nicht, wie das Internet funktioniert. Die Naivität, mit der hier Sperrungsverfügungen erlassen und durchgesetzt werden, erinnert doch stark an Äußerungen eines Politikers mit noch weniger Ahnung von vor ungefähr zwei Jahren, der forderte, im "deutschen Internet" dürften "jugendgefährdende Inhalte" erst "nach 22 Uhr " "gesendet" werden.
Zweitens: Medienkompetenz entwickelt nicht derjenige, dem es verboten wird, bestimmte Inhalte zu konsumieren. Damit will ich nicht sagen, daß ich es begrüße, daß im Internet obszön geschmacklose Fotos, rechtsradikale Propaganda oder Anleitungen zum Bombenbasteln abzurufen sind. Aber: Wer seine Kinder im Internet surfen läßt, ist ohne Frage selbst dafür verantwortlich, auch hier seinem Erziehungsauftrag nachzukommen. (Vgl. auch Fernsehen, Altersbeschränkung.) Und: Wer (als Erwachsener) unbedingten Wert auf solche Inhalte legt, wird auch an sie herankommen, wenn die Düsseldorfer Bezirksregierung noch ein paar mehr Sperrungsverfügungen erläßt und ein paar mehr ahnungslose Richter sie bestätigen.

Vielleicht wäre es sinnvoller, das viele Geld, das für diese Albernheiten ausgegeben wird, in die politische Bildung junger Menschen zu investieren als in Zensurversuche für ein Mediu
m, das strukturbedingt nicht zu zensieren ist.
Es sei denn, jeder Deutsche hat in Zukunft eine Lizenz für die Internetbenutzung zu erwerben, die dann ausschließlich über einen staatlich kontrollierten Provider erfolgt. Vergleiche auch Artikel 5 des deutschen Grundgesetzes.
Mehr dazu bei Odem.

13.6.05

Sport im Radio

Zum Glück interessiere ich mich nur am Rande für die Formel 1, jenes Spektakel also, bei dem viel Geld damit verdient wird, hochgezüchtete Autos im Kreis fahren zu lassen.
Wäre mein Interesse größer, würde ich mich wahrscheinlich ziemlich darüber aufregen, daß in den öffentlich-rechtlichen Radionachrichten nicht etwa das Ergebnis des gestern stattgefundenen Rennens mitgeteilt wird - wie es bei Sportwettkämpfen allgemein üblich ist -, sondern einzig und allein die Tatsache, daß ein in letzter Zeit eher durch mäßige Ergebnisse aufgefallenener Rennfahrer diesmal den zweiten Platz belegt hat.
Wahrscheinlich würde mich diese gedankenlos-einseitig-personenfixierte "Berichterstattung" an die Praxis beim Privatsender RTL erinnern. Bei denen ist während des Rennens auch immer nur die Position eines einzigen Fahrers interessant, und nach jedem Rennen werden Interviews mit ebendiesem Fahrer geführt, egal ob er gewonnen hat oder hinterhergefahren ist.
Und womöglich würde ich mich auch noch fragen, wozu das Bundesverfassungsgericht in seinem dritten Rundfunkurteil ein "Mindestmaß an inhaltlicher Ausgewogenheit" fordert, wenn dann am Ende doch alle dasselbe machen.
Da ich mich aber, wie schon erwähnt, nur am Rande für die Formel 1 interessiere, habe ich mich heute gefreut,
im Radio Interessantes über den Besuch einer amerikanischen Reisegruppe mit ostfriesischen Vorfahren in Norddeutschland zum Zwecke der Ahnenforschung zu erfahren, und war nur mäßig darüber betrübt, daß das Wetter leider überhaupt nicht das gehalten hat, was der Wetterbericht versprochen hatte. Denn allein wegen der Rundfunkgebühren wird die Vorhersage ja auch nicht zuverlässiger.

10.6.05

Schweißtreibend

Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, daß man dafür, sich körperlichen Belastungen auzusetzen, die in früheren Zeiten an der Tagesordnung waren, heute bereitwillig 60 Euro im Monat ausgibt.

Ich war mal wieder im Fitneßstudio. Genaugenommen gehe ich (mittlerweile wieder) recht regelmäßig dorthin, weil natürlich ein wenig körperlicher Ausgleich nicht schaden kann in einem Beruf, dessen maximale physische Herausforderung darin besteht, bei Meetings in geschlossenen Räumen nicht wegen des allfälligen Sauerstoffmangels einzuschlafen; außerdem muß ich auch etwas dagegen tun, daß sich wegen Raucherentwöhnung das Verhältnis von Körpergröße zu -gewicht ein wenig zu Ungunsten des Letzeren verschoben hat.
Interessant zu beobachten ist die Tatsache, daß man in solchen Gesundheitstempeln zumeist Menschen (vorzugsweise Damen) antrifft, die gewichtsreduzierende Leibesübungen sowohl auf den ersten als auch auf den zweiten Blick in keinster Weise nötig haben; andererseits trifft man dort aber auch andere Menschen (vorzugsweise Herren), bei denen auch noch so eifriger Einsatz auf dem Laufband zumindest in diesem Leben augenscheinlich keinen sicht- oder meßbaren Effekt mehr erzielen kann, weil: da ist schon lange alles zu spät. Hier zählt allein der olympische Gedanke.

Die wahren Fitneßstudio-Profis erkennt man übrigens daran, daß sie vor und nach dem Training Unmengen von Kaffee und Zigaretten konsumieren, um den geselligen Aspekt dieser sportlichen Veranstaltung angemessen zu zelebrieren.
Manche Clubmitglieder kommen offenbar auch nur zum Kaffeetrinken, Rauchen und Lamentieren Erzählen und verzichten dafür ganz auf den Sport. Und da muß ich sagen: Hut ab! Sechzig Euro im Monat auszugeben, nur um mit der Dame von der Rezeption oder dem gerade vom Ellipsentrainer gestiegenen, noch ungeduschten Bekannten ein Gespräch über den Streß auf der Arbeit zu führen - das muß man sich erstmal leisten können.

9.6.05

Kindergarten

Münte hat es ja zur Zeit nicht leicht. Seine Fraktion und seine Partei üben sich in Selbstdemontage, und einigen exponierten Vertretern ist sogar der Sinn dafür abhanden gekommen, ab wo es richtig peinlich wird. So wird auf der Grundlage wirrer Vermutungen dem Bundespräsidenten Indiskretion und letztlich falsche Amtsführung vorgeworfen, und der Partei- und Fraktionschef steht daneben, hebt den Finger und sagt: "Das mir solche Diskussionen nicht nochmal vorkommen!"
Dieses Machtwort scheint seine Mannschaft allerdings etwa soviel zu interessieren wie die Wasserstände und Tauchtiefen im Mittellandkanal von vor einer Woche. Und so erzählt weiterhin jeder, was er will, der Chef muß eingestehen, daß er seine Leute nicht mehr im Griff hat, und der Kanzler äußert sich zu diesem Thema erstmal vorsichtshalber nur noch über seinen Pressesprecher.

Und als ob das alles noch nicht genug wäre, haben wir jetzt auch noch die einmalige Situation, daß einige Abgeordnete, deren Zustimmung sich der Regierungschef bis jetzt manchmal nur mit Mühe versichern konnte, ihm ihre Rache zuteil werden lassen können, indem sie ihm das Vertrauen aussprechen. Absurd.

Ach ja, zwei Dinge noch: Die Menschen draußen im Lande werden für derartig semiprofessionell in Szene gesetzte Kindergartenspielchen wohl kaum Verständnis aufbringen, und im übrigen: Gehört das eigentlich schon zum Wahlkampf?